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Beim ersten Hinhören mutet das Wort Herzensbildung an, wie ein Relikt aus der Mottenkiste der Reformpädagogik. Geht man dem Begriff im Lexikon nach, finden sich Synonyme wie Feingefühl, Aufmerksamkeit, Rücksicht, Entgegenkommen, Empathie, Liebenswürdigkeit, Kompromissbereitschaft Anstand und einiges mehr.

Der Kitt unseres Gemeinwesens

All diese Eigenschaften machen in der Summe ein „Wertebündel“ aus und formen sich bei ihrem Träger zur Herzensbildung. Nice to have – aber geht es nicht einfacher ohne? Ich denke nicht. Denn die Elemente der Herzensbildung ermöglichen bei ihren Inhabern einen weitgehend konfliktfreien Umgang mit seinem sozialen Umfeld. Sie sichern die Aufnahme und Pflege sozialer und kooperativer Beziehungen in der Gesellschaft, tragen die Herstellung von Gemeinschaft. Herzensbildung ist also vergleichbar mit einem Kitt, der unser Gemeinwesen zusammen hält und das Wohlbefinden aller anstrebt.

Vom Verhalten zur Haltung

 Herzensbildung hat der Mensch nicht von Geburt an. Er erwirbt sie über einen lang andauernden Prozess (Personalisation). Dieser beginnt mit der Erziehung im Elternhaus (Primärsozialisation), setzt sich fort in der Schul- und Ausbildung (Sekundärsozialisation). Seinen Abschluss findet Herzensbildung in der Ausreifung des Charakters beim Erwachsenen. Sie zeigt sich in Einstellung und Verhalten, ist stabiles Element der Persönlichkeit und damit Haltung. Herzens-gebildete Personen handeln aus Überzeugung dort, wo alle anderen in unreflektiertes, opportunistisches Verhalten verfallen. Machen die Sozialisationsinstanzen (Elternhaus, Schule, Betrieb etc.) einen schlechten Job, oder fallen sie gänzlich aus, entsteht Wildwuchs, im schlimmsten Fall antisoziales Verhalten.

Ich zuerst!

Das Vordrängeln an der Essensausgabe in der Kantine, Rasen auf der Autobahn, Schummeln beim Teilen, Recht haben wollen im Meinungsaustausch, Übervorteilen des Geschäftspartners mit unfairen Praktiken: In der täglichen Übung spiegeln solche Verhaltensweisen die Haltung eines „Ich zuerst!“ wieder, und offenbaren einen Charakter, der sich aus der Gemeinschaft, dem Konsens, ausgekoppelt hat; Herzensbildung vermissen lässt.

Setzt sich diese Entwicklung fort, erleben wir den Auflösungsprozess unserer Gesellschaft und den Zerfall von Gemeinschaft in eine Vielzahl von Ichlingen und Egomanen. Für diese von primär ich-bezogenen Interessen geleiteten Personen ist Herzensbildung eher ein Hindernis auf dem Weg zur Durchsetzung ihrer Ziele, als ein erstrebenswertes Gut.

Da der Mensch biologisch auf Gemeinschaft hin angelegt ist, führt ein solch kollektives Verhalten mit der Zeit beim einzelnen Menschen zur Sinnentleerung/-krise und in der Gesellschaft zu Niedergang und letztlich Chaos.

Wertediskussion als Starthilfe

Um diese Entwicklung aufzuhalten und umzukehren benötigen wir ein einheitliches gesellschaftliches Verständnis, von welchen Werten wir uns leiten lassen wollen. Unsere Verfassung macht uns dort ein reichhaltiges Angebot. Für den Lebensalltag benötigen wir dann eine Wertediskussion, die Antworten gibt auf die Fragen „was wollen wir und wie erreichen wir es?“. Quasi praktische Handlungsanleitungen als Starthilfe, für alle Sozialisationsträger. Diese Diskussion kann sofort beginnen. Bei uns selbst, in der eigenen Familie, in den Betrieben, Gremien und überall dort, wo Menschen miteinander zu tun haben.