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Manche sind von Geburt an anders beschaffen – und leiden unter dem Anders sein.

Ein Klient schilderte mir im Vorgespräch zu einem Coaching die folgende Situation:

In meiner Familie bin ich der Außenseiter, das „grüne Schaf“. Nicht, dass man mich nicht mochte, oder akzeptierte als Familienmitglied – ich habe viel Liebe empfangen; aber seit ich denken kann, war ich immer anders. Sparsamkeit, Zurückhaltung, traditionelle Werte wurden intensiv in meiner Familie gelebt. Tage- Wochen- und Monate verliefen immer nach demselben zuverlässigen Muster.

Gewohnheiten gaben Halt und Sicherheit, von ihnen wurde nicht abgewichen. Man lebte unauffällig und angepasst.

Während meine Geschwister dem überkommenen Wertesystem gerecht wurden und der Erwartung meiner Eltern entsprachen, lief ich von Anfang an aus der Spur:

Solides Handwerk interessierte mich nicht, ich war musisch aktiv. Wenn ich Geld hatte, gab ich es aus. Ich plapperte gerne und viel, ging vorbehaltlos auch auf Fremde zu. Bei allen Dingen hinterfragte ich den Sinn und den Grund, gestattete mir Zweifel an der Lebensart meines Umfeldes.

Je mehr ich so aus der Rolle fiel, umso intensiver wurden die Bemühungen meiner Eltern, mich erzieherisch „auf den rechten Weg“ zu bringen.

Meistens geduldig, gelegentlich ungehalten, tadelnd.

In dem Maße, in dem meine Eltern und mein Umfeld feststellen mussten, das mein unbändiges Wesen nicht einzufrieden war, schlich sich bei mir ein latentes schlechtes Gewissen ein. Den Erwartungen, Anforderungen meiner Eltern nicht gerecht zu werden; gelegentlich auch der Gedanke, fehlerbehaftet zu sein. Wie geht man auch als Kind und Jugendlicher um mit der Resignation der Eltern: „Er ist so anders, ganz aus der Art geschlagen. Von uns hat er das nicht“.

Im Laufe meines Erwachsenenlebens hat mich bei jeder wichtigen Entscheidung die Frage beschäftigt: „Was würden deine Eltern dazu sagen, würden sie deine Entscheidung, dein Handeln gut heißen?“

Bei allen Entscheidungen, welche nicht erziehungskonform waren, verfolgte mich ein Zweifel oder schlechtes Gewissen. Manchmal auch Zorn und Traurigkeit über meine Zerrissenheit. Richtig frei in meinem Handeln war ich nie.

Nun sind meine Eltern in einem Alter, wo sie meiner Pflege und Hilfestellung bedürfen, zu meinen Geschwistern habe ich kaum noch Kontakt. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder, die ich erziehen möchte und bei alldem immer noch die mahnenden Stimmen im Hinterkopf. Ich möchte mich von dieser Gewissenslast befreien, sie tut mir nicht gut! Der innere Zensor soll endlich Ruhe geben. Ich habe meine Rolle als das grüne Schaf immer als Makel empfunden; das soll aufhören! Schaffe ich das überhaupt? Was soll ich tun?

Jede Lebensphase ist geeignet, Veränderungen herbei zu führen und zu bewältigen, zu sich selbst zu finden, sich zu entwickeln oder mit Menschen und Lebensthemen in Frieden zu kommen. Die Erkenntnis, dass da ein Thema auf mich wartet und der Entschluss, sich einen kompetenten Begleiter zu nehmen sind die ersten Schritte auf dem Weg zur Lösung.

Abschließend will ich zu diesem Thema ein Zitat empfehlen:

Die Sterne am Himmel sind ganz anders beschaffen als die Geschöpfe auf der Erde; doch jeder Stern und jedes Lebewesen ist auf seine Weise schön.

Erster Brief des Paulus an die Korinther. 1.Korinther 15,40