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Was ist Wahrheit? (Audio .mp3)

Was ist Wahrheit?!

Wahrheit ist die höchste Form der Erkenntnis, die Menschen zu erlangen versuchen. Sei es durch philosophische Betrachtungen, wissenschaftliche Versuche oder Privatoffenbarungen (brennender Dornbusch oder ähnliche Erscheinungen).

Leider bleibt jede Wahrheit in jedem Fall subjektiv; also nicht absolut und allgemein gültig, da die Fähigkeit des Erkennens auf die menschlichen Sinnesorgane, die Logik und Vorstellungskraft beschränkt ist.

Wir erfassen die Wirklichkeit über unsere Sinneswahrnehmungen. Dabei sind subjektive Wahrnehmungen aber nur das, was wir für wahr halten oder gerne als wahr nehmen möchten: Die Wahrnehmung folgt dem individuellen Interesse. Was also ist Wahrheit?

Eine Definition sagt hierzu: „Wahrheit ist die Übereinstimmung einer Feststellung oder Behauptung mit der Wirklichkeit“. Aber selbst in der wissenschaftlichen Welt gilt eine Theorie nur so lange, bis das Gegenteil von ihr bewiesen ist.

Die letztlich gesicherte Erkenntnis also ist, dass wir nichts wissen können. Sind wir nun am Ende unseres Lateins der Wahrheitsfindung angelangt? Eine Methode gibt es, von der subjektiven Wahrheit ein Stück weiter zur objektiven Wahrheit zu gelangen. Es ist ein Annäherungsvorgang, der sich über verschiedene Stufen vollzieht:

Am Anfang stehen das Gefühl und die Intuition: „Es fühlt sich richtig an es fühlt sich falsch an“. Dieses (Bauch-) Gefühl bedarf keiner sachlichen Begründung, vielmehr existiert es in manchen Fällen trotz sachlicher Begründungen.

Im nächsten Schritt bildet sich eine Meinung. Diese ist ein Zustand der Übereinstimmung zwischen scheinbar stimmiger Begründung und subjektivem Gefühl. Stimmige Begründungen können objektiv richtig oder falsch sein. In diesem Wissen sucht das Individuum nach Hinweisen, die seine „stimmigen“ Begründungen belegen oder widerlegen.

Sind solche Hinweise erbracht, bilden sich auf der nächsten Stufe Überzeugungen, die das Erkenntnis-,Werte- und Verhaltenssystem in der Person begründen.

Die höchste und letzte Stufe der Annäherung an die Wahrheit ist die Gewissheit. Sie ist in seltenen Fällen zu erlangen, etwa in der unmittelbaren, eindeutigen Beobachtung von Ursache und Wirkung, im direkten zwischenmenschlichen Verhalten oder über den wissenschaftlichen Versuch unter kontrollierten Bedingungen.

Gewissheit kann aber nicht den Raum betreffen, welcher in der Zukunft liegt oder im „Metaphysischen“, also dem Raum jenseits unserer philosophischen oder wissenschaftlichen Erkenntnisfähigkeit.

Ich schreibe diesen Text nicht aus der Sicht des Wissenschaftlers, Philosophen oder Seelsorgers. Meine Perspektive ist die des Coachs und Mediators. Hier stellen sich mir die Fragen: Wie weit kann ich in der Arbeit mit meinen Klientenkommen? Bleibe ich immer im subjektiven Raum? Bewege ich mich in der gemeinsamen Arbeit auf den Stufen zur Gewissheit hin oder nur soweit, wie meine Auftraggeber gehen möchten!?

Die scheinbar wahre Antwort auf diese Frage lautet für mich: Alle Beteiligten müssen wissen, dass es die absolute Wahrheit nicht geben kann und selbst Gewissheiten ein Verfallsdatum haben.

Worin der Erfolg von Coaching und Mediation bestehen kann, bringt der persische Mystiker und Dichter Rumi im folgenden Satz auf den Punkt:

Jenseits der Vorstellung von Falsch und Richtig gibt es einen Raum. Dort werde ich dich treffen.”

Rumi beschreibt eine Geisteshaltung, die wir in der westlichen Welt am besten mit dem geflügelten Wort „die Wahrheit liegt in der Mitte“ beschreiben können.

Für den Coach und Mediator geht es nicht darum, mit seinen Klienten auf die Suche nach der absoluten Wahrheit oder der ultimativen Lösung zu gehen, sondern den Raum zu betreten, der zwischen richtig und falsch, gut und schlecht, wahr und unwahr, Recht und Unrecht liegt – und sich in diesem Raum einzurichten.